Vom Geburtsort des Hot Brown über ein Hotel, das Literaturgeschichte schrieb, bis zur ehemaligen Discokugel-Fabrik: Fünf außergewöhnliche Unterkünfte zeigen die vielen Facetten der Stadt im Süden der USA.
Wer Louisville besucht, entdeckt nicht nur die Heimat des legendären Kentucky Derby und den Geburtsort von Boxlegende Muhammad Ali, sondern auch eine Hotellandschaft voller Charakter. Hotels sind hier mehr als nur Orte zum Übernachten. Sie sind Geburtsstätten kulinarischer Klassiker, Schauplätze amerikanischer Literaturgeschichte, Kunstmuseen oder Ausdruck der weltberühmten Bourbon-Kultur. Fünf Häuser stechen dabei mit ihrer ganz eigenen Geschichte besonders hervor.
The Brown Hotel: Die Heimat einer Kentucky-Ikone
Das Brown Hotel ist nicht nur ein historisches Luxushotel – es ist die Geburtsstätte eines der bekanntesten Gerichte der amerikanischen Südstaatenküche. Als das Haus 1923 vom Unternehmer J. Graham Brown eröffnet wurde, entwickelte es sich innerhalb kürzester Zeit zum gesellschaftlichen Mittelpunkt Louisvilles. Staatsgäste, Künstler, Aristokraten und Prominente gingen hier ein und aus. Seinen Platz in der amerikanischen Kulturgeschichte verdankt das Hotel jedoch dem Hot Brown. Während der Roaring Twenties, also den 1920er-Jahren, strömten Abend für Abend jene, die gern die Nacht zum Tag machten, in das Hotel, um im Crystal Ballroom zu tanzen. Zu später Stunde suchten viele nach einer nächtlichen Stärkung. Der in Deutschland geborene Küchenchef Fred K. Schmidt entwickelte daraufhin 1926 ein neues Gericht: ein offenes Sandwich mit dick geschnittenen Truthahnscheiben, Speck, Tomaten, Mornay-Sauce und geriebenem Käse überbacken. Das Hot Brown war geboren.
Heute, ein Jahrhundert später, gilt er als kulinarisches Wahrzeichen Kentuckys. Der Erfolg des Gerichts reicht weit über Kentucky hinaus. Der Hot Brown wurde in nationalen Medien von der New York Times bis zum Wall Street Journal vorgestellt. Und viele Reisende besuchen das Hotel, um das Original dort zu probieren, wo es einst erfunden wurde.
The Seelbach Hotel: Das Hotel hinter „Der große Gatsby“
Als das Seelbach Hotel 1905 eröffnete, galt es als eines der luxuriösesten Hotels der Vereinigten Staaten. Die aus Bayern eingewanderten Brüder Louis und Otto Seelbach investierten damals rund eine Millionen Dollar in das Haus – eine enorme Summe für die Zeit. Mit seiner französisch inspirierten Renaissance-Architektur, den prächtigen Ballsälen und der aufwendigen Innenausstattung sollte das Hotel europäische Eleganz nach Kentucky bringen. Bis heute zählt das Seelbach zu den bedeutendsten historischen Hotels des Landes. Seine größte Bekanntheit verdankt das Haus jedoch seiner Verbindung zu F. Scott Fitzgerald. Der Schriftsteller besuchte während seiner Stationierung in Louisville im Ersten Weltkrieg mehrfach Veranstaltungen in dem Hotel und soll hier Inspiration für Szenen und Figuren seines Romans „Der große Gatsby“ gefunden haben. Tatsächlich soll die pompöse Hochzeit von Tom und der aus Louisville stammenden Daisy Buchannan im Ballsaal im zehnten Stock stattgefunden haben. Besonders die schillernde Welt der wohlhabenden Gäste, die sich im Seelbach trafen, floss nach Ansicht vieler Historiker in Fitzgeralds Werk ein. Heute ist das Hotel eine wahre Pilgerstätte für Gatsby-Fans und bietet wöchentliche kostenlose Führungen durch das Haus an.
Mindestens ebenso spannend ist die Verbindung des Hauses zur Zeit der Prohibition. Im berühmten Rathskeller, einem kunstvoll gestalteten Kellergewölbe im deutschen Stil, trafen sich Politiker, Geschäftsleute und Unterweltgrößen. Zu den prominenten Gästen gehörte auch Al Capone. Zahlreiche Legenden über geheime Räume und versteckte Zugänge ranken sich bis heute um das Hotel und tragen zu seinem Ruf als eines der geschichtsträchtigsten Häuser des amerikanischen Südens bei.
21c Museum Hotel: Das Hotel, das ein neues Genre begründete
Ein Boutiquehotel kombiniert mit einem Museum für zeitgenössische Kunst: Als das 21c Museum Hotel 2006 in Louisville eröffnete, war es ein gewagtes Experiment. Heute gilt das Haus als Pionier der Museum Hotels und wurde zum Vorbild für zahlreiche ähnliche Konzepte weltweit. Gegründet wurde es von den Kunstsammlern und Philanthropen Laura Lee Brown und Steve Wilson, die ihre umfangreiche Sammlung zeitgenössischer Kunst öffentlich zugänglich machen und zur Wiederbelebung der historischen Innenstadt von Louisville beitragen wollten. Untergebracht ist das 21c in fünf miteinander verbundenen Lagerhäusern aus dem 19. Jahrhundert an der historischen West Main Street. Die Gebäude dienten einst als Lager- und Handelsräume für die Bourbon- und Tabakindustrie und wurden aufwendig restauriert.
Kunst ist in dem außergewöhnlichen Komplex aus Hotel, Museum und Restaurant an der sogenannten Museum Row nicht nur Dekoration. Das Museum ist 24 Stunden täglich bei freiem Eintritt geöffnet und zeigt wechselnde Ausstellungen internationaler Gegenwartskünstler. Die Werke sind in Galerien, Fluren, Aufzügen und öffentlichen Bereichen zu sehen. Zum Wahrzeichen des Hauses wurde ein mehr als ein Meter großer roter Pinguin. Vor dem Gebäude steht zudem eine vergoldete, überdimensionale Interpretation von Michelangelos David – eines der bekanntesten Fotomotive der Stadt. Auch kulinarisch hat das Hotel Maßstäbe gesetzt. Das hauseigene Farm-to-Table-Restaurant Proof on Main wurde bereits kurz nach seiner Eröffnung vom Magazin Esquire zu einem der besten neuen Restaurants der USA gekürt und zählt bis heute zu den wichtigsten Adressen der Stadt.
Myriad Hotel: Übernachten in einer ehemaligen Discokugel-Fabrik
Das Myriad Hotel gehört zu den ungewöhnlichsten Hotelprojekten in Louisville. Das 65-Zimmer-Boutiquehotel befindet sich in einer ehemaligen Fabrik im historischen Highlands-Viertel, in der jahrzehntelang Discokugeln produziert wurden. Tatsächlich stammte in den 1970er-Jahren ein Großteil der weltweit verwendeten Discokugeln aus Louisville – ein wenig bekanntes Kapitel der Stadtgeschichte. Das Hotel greift dieses Erbe an vielen Stellen auf, von den verspiegelten Design-Elementen bis hin zu einer Aufzugsfahrt mit eigenem Party Button, der Licht- und Musikeffekte aktiviert.
Auch der Name des Hotels ist eine Hommage an die Geschichte des Gebäudes. „Myriad“ verweist auf den „Myriad Reflector“, den Vorläufer der heutigen Discokugel. Louis Bernard Woeste, ein langjähriger Einwohner von Kentucky, meldete das Objekt bereits 1916 zum Patent an; die Patentschrift wurde 1917 veröffentlicht. Jahrzehnte später wurde Louisville zu einem wichtigen Produktionsstandort für die glitzernden Kugeln. Heute bietet das Myriad Hotel einen moderneren Aufenthalt mit einem hauseigenen Café, einem Restaurant und einem Außenpoolbereich.
Hotel Distil: Im Herzen der Bourbon-Geschichte
Wer Louisvilles Rolle als Welthauptstadt des Bourbons verstehen möchte, findet kaum einen passenderen Ort als das Hotel Distil. Das Boutiquehotel liegt an der historischen Whiskey Row, jener Häuserzeile entlang der Main Street, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert das Zentrum des amerikanischen Bourbon-Handels war. Das Gebäude integriert die erhaltene Fassade des ehemaligen J.T.S.-Brown-&-Sons-Lagerhauses und greift die Geschichte des Bourbon-Business in Architektur und Design konsequent auf. Holz, Kupfer und Anspielungen auf den Destillationsprozess ziehen sich durch das gesamte Haus.
Jeden Abend um exakt 19.33 Uhr – eine Anspielung auf das Jahr 1933, in dem die Prohibition in den USA aufgehoben wurde – lädt das Hotel zu einem gemeinsamen Toast auf das Ende des Alkoholverbots ein. Gäste erhalten dafür beim Check-in sogar eine symbolische Verschreibung, denn während der Prohibition durfte Alkohol teilweise nur aus medizinischen Gründen konsumiert werden. Das Hotel eignet sich ideal als Ausgangspunkt für alle, die Louisvilles Bourbon-Szene erkunden möchten. Denn gleich mehrere Destillerien des Kentucky Bourbon Trail befinden sich in fußläufiger Entfernung. Oder wie wäre es mit einem Besuch des neuen Speakeasys The 1933 Society, das kürzlich unter dem Hotel eröffnet wurde? Hinter einem unauffälligen Eingang verbirgt sich eine Bar, die den Persönlichkeiten und Geschichten gewidmet ist, die die Bourbon-Industrie während der Prohibition am Leben hielten. Die Cocktails erzählen die Geschichten historischer Figuren wie der legendären Brennereibesitzerin Mary Dowling oder des Bartenders Tom Bullock.
